2007 Basellandschaftliche Zeitung

2007  Monteverdi - Marienvesper

 

Die klirrende Kälte war durch die Mauern der Predigerkirche gekrochen und machte sowohl den Musikerinnen und Musikern auf der Bühne wie auch dem Publikum zu schaffen. Da half nur noch eins: Ablenkung, am besten mit einem spannenden Werk und einer überzeugenden Interpretation. Beides war an diesem Abend der Fall, so dass die Kälte bald fast vergessen war.

Claudio Monteverdis «Vespro della beata vergine» oder eben die «Marienvesper» bietet viel Interpretationsspielraum. Monteverdi selbst hat nur wenige Vorgaben gemacht, was die Besetzung angeht, was zu einer grossen Variation in der heutigen Aufführungspraxis geführt hat. Monteverdis grosses Anliegen war der musikalische Ausdruck der Textsprache, eine Haltung, die in der Kirchenmusik des frühen siebzehnten Jahrhunderts durchaus nicht üblich und gelegentlich als allzu modern verschrien war.

Der Chor des «Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern» und das auf alte Musik spezialisierte Orchester «Capriccio Basel » unter der Leitung von Ulrike Grosch versuchten, mit der Wahl der Besetzung Monteverdis Anliegen umzusetzen: Der Text wurde unterstrichen durch dichtere oder weniger dichte Klangeindrücke, durch reizvolle Echopassagen, wobei das Echo von einer jeweils entlegeneren Stelle in der Kirche instrumentalen und vokalen Kombinationen entstand ein abwechslungsreicher Eindruck. Dem Orchester kommt in diesem Werk eine für diese Epoche und den Musikstil ungewohnt zentrale Bedeutung zu, während es gleichzeitig als Ganzes nur wenig zum Zug kommt. Dafür treten einzelne Instrumente wiederholt solistisch auf und übernehmen mehr als nur einen begleitenden Part. Das «Capriccio Basel» passte sich ausgezeichnet den jeweiligen Anforderungen an. Das Spiel auf historischen Instrumenten vermittelte ein ungewohntes Klangbild und untermauerte das Streben nach möglichst grosser Werktreue.

Der Chor besteht aus professionellen Sängerinnen und Sängern, was sich in einem bestechend reinen und differenzierten Gesamteindruck niederschlug. Der Umgang mit dem Notentext war nuanciert und ausgereift. Die Solisten Dorothea Frey, Kerstin Steube, Michael Feyfar, Joost van der Linden, Jakob Pilgram, Will Wood und Michael Kreis fügten sich harmonisch in dieses homogene Gesamtkunstwerk ein und stachen nach Bedarf mit ihren allesamt überzeugenden Soli heraus.

Wer am Schluss immer noch vor Kälte schlotterte, konnte seine Hände beim Applaus aufwärmen, denn der war lang und kräftig – und natürlich wohl verdient.