2007 Neue Luzerner Zeitung

2007 Monteverdi - Marienvesper

 

Der Generationenwechsel findet auch an der Musikhochschule Luzern nicht innerhalb der traditionellen Chorformationen statt. So hätte man schon lange erwartet, dass Ulrike Grosch, Chor- Dozentin an der Hochschule einmal deren Mozart-Ensemble dirigiert. Statt dessen hat Grosch mit dem Collegium Vocale zu Franziskanern letztes Jahr ihr eigenes Ensemble gegründet, gebildet aus Musikstudenten aus Luzern und anderen Städten.

Am Samstag in der Franziskanerkirche führte Claudio Monteverdis Marienvesper mit ihrer frühbarocken Pracht und Vielseitigkeit die enormen Qualitäten des Chors in allen Facetten vor. Das reichte vom griffig-schlanken Klangbild in bewegten Sätzen bis hin zu räumlich aufgefächerten Klanggemälden, die auch monumentale Grösse suggerierten.

Berührende Momente

Ebenso bestechend war das Aufführungskonzept insgesamt, das die verschwenderischen Mittel (das Capriccio Basel mit Goldton der Zinken und dem Pathos der Posaunen) beweglich einsetzte. Während die theatralen Züge des Werks eher diskret ausgespielt wurden, berührten umso mehr kammermusikalisch-intime Momente, zu denen unter den Solisten der fabelhafte Tenor Michael Feyfar Entscheidendes beitrug.

Sehr erfreulich ist deshalb, dass der Chor seine Aktivitäten mit zwei Programmen pro Jahr künftig verstärkt. Neben Eckpfeilern, des geistlichen Repertoires gibt es wiederum originelle Programme, etwa mit Exilmusik aus Israel. Schon das letztjährige Konzert, das Musik zu Krieg und Frieden mit Bachs „Kunst der Fuge" spannungsvoll verband, war in der Programmierung eigenwillig neue Wege gegangen. Nachhören kann man das auf der eben erschienenen ersten CD des Ensembles.