2009 Neue Luzerner Zeitung

2009 L'amour et la mort

Tanz trifft moderne Mystik

Die kluge und ungewöhnliche Programmierung seiner Konzerte ist das eine Markenzeichen des Collegium Vocale zu Franziskanern – das hervorragede musikalische Können das andere. Beides sorgte am Samstag in der Franziskanerkirche für ein Hörerlebnis der Spitzenklasse.

Unter dem Titel „L'amour et la mort" führte das von Ulrike Grosch geleitete Ensemble Moderne und Renaissance zusammen. Olivier Messiaens „Cing rechants" (1948) erklang zunächst im Wechsel mit fünf Stücken aus dem Chorzyklus „Le printemps" von Claude Lejeune (1603), mit dem sich Messiaen auseinandergesetzt hat. Diese kontrastreiche Gegenüberstellung von tänzerisch-beschwingten Stücken und – bei Messiaen geheimnisvoll- mystischen Klängen und Wörtern zeigte einmal mehr auf, auf welch hohem Niveau das Collegium Vocale agiert:

Was für eine stimmliche Flexibilität und Präzission, was für eine Balance, welche Intonation und mit welch sicherem Rhythmusgefühl ausgestattete Sängerinnen und Sänger waren da zu hören!

Sirenenhafte Soli

Im mittleren Teil des Konzerts schlug der Organist Tobias Willi mit zwei Renaissance- Stücken von Lejeune und Eustache du Caurroy sowie dem 1985 entstandenen „Madrigal VII" von Jean-Pierre Leguay eine instrumentale Brücke zur Klangwelt in den vorangegangenen Chorwerken. Besonders beeindruckend das unglaublich breite Klang- und Farbenspektrum bei Leguay, meisterhaft interpretiert. Zum Schluss, in der jetzt zusammenhängenden Wiedergabe der Cinq Rechants, offentbarte sich noch einmal die faszinierende Schönheit von Messiaens Werk. Eine willkommene Gelegenheit, hörend auf dessen magischem Klangteppich zu schweben und sich den sirenenhaften Soli hinzugeben, die aus den Reihen des Soprans immer wieder in den Raum emporstiegen.