2010 Neue Luzerner Zeitung

2010 Sacred &Profane

 

Eine magische Ton-Hypnose

Chor Das Collegium Vocale Luzern bekam einen internationalen Qualitätsausweis. Für das Konzert in Luzern war das nicht nur ein Vorteil.

Urs Mattenberger

Der junge, hauptsächlich aus Musikstudenten gebildete Collegium Vocale zu Franziskanern leistet in Luzern professionelle Chorarbeit, die einzig mit dem aus Berufssängern gebildeten, kleiner besetzten Ensemble Corund vergleichbar ist. Mit seinen knapp 30 Sängern könnte der Chor damit eine entscheidende Lücke füllen. Das Konzert in der Matthäuskirche am Samstag setzte dahinter allerdings ein Fragezeichen.

Ging das Collegium Vocale unter der Leitung von Ulrike Grosch bislang mit eigenwilligen Programmen neue Wege, trat es nun mit einem englischen Programm auf, wie man es auch andernorts hören kann. Zudem blieben in der Franziskanerkirche etliche Bänke leer. Ein erstes Fazit: Chorkonzerte, deren Publikum sich grossteils aus Angehörigen rekrutiert, lassen sich allein durch Qualität auch in Luzern schwer füllen.

Prominente Einladung ins Ausland

Der Grund für das vergleichweise konventionelle Programm war freilich ein Leistungsausweis: Das Ensemble sang ausschliesslich Werke, mit denen es an das renommierte Chorfestival in Aachen zum Thema England eingeladen wurde. Und das sängerische Niveau rechtfertigte das in jeder Hinsicht. In den weichen Stimmgeweben von Vaughan Williams' zweiten Shakespeare-Song etwa führte das lupenreine Klanggebilde zu prismatischer Leuchtkraft, der bei aller impressionistischen Farbigkeit nichts Verschwommenes anhaftete. In Benjamin Brittens "Hymn to a Virgin" zeigten Echowirkungen des Fernchors, über welch solistische Qualitäten das Ensemble auch verfügt. Und Brittens "Hymn to Cecilia" verband geradezu instrumental-deutlich gesetzte Akzente mit einer unglaublichen Pianissimo-Magie, wo sich der vielstimmige Chorsatz auf die Worte "Love me" zu einem hypnotischen Ton ausdünnte.

Konkurrenzlos

In Brittens "Sacred and Profane" kam all das kontrastreich pointiert und auch klangmächtig zusammen, bevor eine Zugabe von William Byrd den quirligen Schlusspunkt setzte. Dieser bestätigte, dass das Collegium Vocale nicht nur in Sachen Klangkultur, sondern auch punkte Beweglichkeit und Präzision unter den lokalen Chören dieser Grössenordnung konkurrenzlos dasteht.

Das gibt ein zweites Fazit: Wenn schon ein konventionelles Programm - daran änderten diesmal auch die Orgel-Intermezzi von Tobias Willi nicht -, dann würde man sich doch auch einmal ein Zugpferd aus dem Kernrepertoire wünschen. Aufführungen davon gibt es, in dieser Qualität, nie genug.