2013 Neue Luzerner Zeitung

2013 Benjamin Britten Chorfestival - Sacred & Profane

 

Grosses Klangspektrum zu Brittens 100. Geburtstag

Von Gerda Neuhoeffer

Das Collegium Vocale zu Franziskanern widmete Benjamin Britten einen Konzertabend. Und bewies hohe Klangkultur

Benjamin Britten ist am Namenstag der heiligen Cäcilie, Schutzpatronin der Musik, geboren. Was liegt näher, als an seinem 100. Geburtstag seine wunderbare „Hymne to St. Cecilia" op. 27 aufzuführen? Und genau mitten im Programm des Collegium Vocale zu Franziskanern erklang die Hymne, Britten und Cäcilia zu Ehren, eingebettet in andere Vokalwerke von Britten und seinen Zeitgenossen. Ein Konzertabend, der eindrücklich belegte, welch hervorragende Chöre in Luzern beheimatet sind. Jede dieser Chorformationen hat ihren ganz eigenen Charakter, der jeweils hohe Klangkultur mit hohem Niveau vereint.

Im vierten Konzert des Britten-Chor-Festivals Luzern, das am Freitag in der voll besetzten Matthäuskirche stattfand, begeisterten Ulrike Grosch und ihr Chor eindrucksvoll mit ihrer A-cappella-Kunst. Da wurden drei Gesänge nach Shakespeare in der lautmalerischen Komposition von Ralph Vaughan Williams hinreissend gesungen: Man hörte vielschichtige Glockentöne, die wundersam ausschwangen, blockartig verschobene Akkorde klangen wie Orgeltutti, und leicht flirrende, huschende Klangtupfer liessen Elfen lebendig werden. In drei „Part Songs" von Edward Elgar überzeugten die rhythmischen Elemente ebenso wie die sehr einheitliche Textgestaltung und langgezogenen, dynamisch hoch differenzierten Legatobögen. „An Ode for Music" von Zoltan Kodaly entwickelte sich aus reibungsvollen Klängen zu kleinen Fugati, di sich weit auffächerten bis zum harmonischen Schluss. Was der schwedische Komponist Sven-David Sandström (*1942) aus einem Fragment von Henry Purcell entstehen liess, entfaltete sich in der Interpretation des Collegium Vocale zu einem raumfüllenden Gebet. Unglaubliche Dissonanzen lösten sich in reine Harmonien, wie eine Kuppel breitete sich der volle Klang in alle nur möglichen Tiefen und Höhen aus, um dann im Pianissimo zu verhallen.

Ergreifende Interpretation

Im Alter von 16 Jahren komponierte Britten „Hymn to the Virgin" nach einem anonymen Text aus dem 14. Jahrhundert. Mit der Aufteilung zwischen Chor und Soloquartett gelang Ulrike Grosch eine ergreifende Interpretation, in der die Solisten sich hinter dem Chor befanden und so eine plastische Echowirkung entstand. Die „Hymn to St. Cecilia" war das zentrale Werk. Die sich immer wiederholende Beschwörung „Segensreiche Cäcilia, in Visionen erscheine und inspiriere..." erklang ausdrucksstark, dass man sich ihr Erscheinen durchaus vorstellen konnte! In allen Strophen breiteten die Sänger ihre Klangfarben beeindruckend aus.

Das Collegium Vocale überzeugte durchwegs mit fantastischem Klangreichtum und lupenreiner Intonation. Auch für die grosse charakterliche und musikalische Bandbreite in „Sacred and Profane" von Britten war das Ensemble idealer Interpret. Nach langanhaltendem Applaus konnte man sich mit Zuhörern und Sängern unterhalten und die Neuerscheinung der CD (mit den Werken des Abends) feiern.